Online Praxismarketing: Diese 5 Dinge kann ich 2018 auf einer Arzt-Website erwarten

Das Internet. Eine bahnbrechende Erfindung ohne die unser Leben wohl heute ganz anders aussehen würde. Mit Veröffentlichung des ersten grafikfähigen Browsers im Jahre 1993 wurde das World Wide Web abseits der “Technikfreaks” von damals endlich auch für uns “Normalsterbliche” zugänglich gemacht.

1993. Das war vor genau 25 Jahren. Vor einem Vierteljahrhundert, um genau zu sein. Und neben all den Online-Spielen, den Social Networks und der immensen Anzahl an Katzenvideos ist es wahrlich ein hervorragender Ort für Unternehmen aus allen Branchen, um sich zu präsentieren und auf sich aufmerksam zu machen. Sei es über eine eigene Website, Branchenverzeichnisse oder den Facebook-Account. Es lebe das digitale Zeitalter.

Auch 25 Jahre später flimmern Websites von Arztpraxen über mein Display, die ich instinktiv auf meine rote Liste der bedrohten Online-Auftritte setze.

So auch natürlich Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich, die um die Aufmerksamkeit der Internetnutzer buhlen, wenn diese auf Ihre Gesundheit achten wollen, regelmäßig zur Vorsorge gehen oder aufgrund von Beschwerden nach ihrem medizinischen Experten suchen. Wer nimmt heutzutage dafür schon ein Telefonbuch zur Hand. Ich nicht. Und ganz bestimmt auch nicht die anderen 22 Millionen der in Deutschland lebenden Digital Natives aka Generation Y – derjenigen Einwohner-Gruppe im Alter von 18 bis 39 Jahren, für die Google, Facebook & Co. zum festen Alltag gehören. So läuft auch bei mir alles digital: Smartphone in die Hand, Google öffnen, Suchbegriffe eingeben und schon nach 5 Sekunden offenbaren sich mir die Augenärzte, Chiropraktiker und Schönheitschirurgen in meiner Umgebung.

Suchergebnisliste einer Google-Suche mit den Suchbegriffen "hautarzt stuttgart"
Ärzte sind heutzutage nur einen Klick entfernt. Besonders nutzerfreundlich sind die Praxis-Websites aber oft nicht.

Spätestens hier hat bei mir schon jede Praxis verloren, die über keinen Webauftritt verfügt. Glücklicherweise ist die Auswahl an Praxis-Websites in der Suchtrefferliste in der Regel hoch. Da sollte also jemand für mein Anliegen dabei sein. Bei einem Klick auf die ersten Treffer macht sich bei mir dann aber doch recht schnell die Ernüchterung breit. Auch 25 Jahre später flimmern Websites von Arztpraxen über mein Display, die ich instinktiv auf meine rote Liste der bedrohten Online-Auftritte setze. Folgende Punkte sind nur ein Auszug dessen, was mich häufig teils überraschend, teils aber auch etwas traurig im Hinblick auf eine Arzt-Homepage dreinschauen lässt:

  • Fehlende Darstellung für Mobilgeräte (Stichwort: Responsive Design)
  • Überholte und altbackene Bilder
  • Unübersichtliche Darstellung der Inhalte (Stichwort: Usability)
  • Nachrichtenbeiträge von 2012, die in der Rubrik “Aktuelles” zu finden sind
  • Verzerrte Darstellung der Website durch Programmierfehler

Ich sage, wie es ist: Praxen, deren Webseiten auch nur einen Teil der eben genannten Punkte aufweisen, haben bei mir keine Chance. Ich gebe zu, als jemand, der seit vielen Jahren beruflich in der digitalen Branche tätig ist und in dessen Sprachrepertoire das Wort “offline” eher selten verwendet wird, bin ich vielleicht ein klein wenig befangen. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass vielen Ärzten da draußen das Potenzial durch einen ordentlichen Web-Auftritt gar nicht so recht bewusst ist. Schließlich geht es bei einer Online-Präsenz doch genau darum, die Nutzer auf der Website durch einen Seitenaufbau zu halten, der "user-friendly" ist, der sich durch eine gewisse Attraktivität von der Konkurrenz abhebt und der potentielle Patienten mit ausreichenden und aktuellen Informationen versorgt. Insbesondere, wenn das Angebot von Privatleistungen den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis maßgeblich beeinflusst. Die Konkurrenz schläft sicher nicht und hat einen schneller überholt, als man vielleicht glauben mag.

Praxen mit überholten Web-Auftritten haben bei mir keine Chance.

Ich möchte daher auf 5 Dinge eingehen, die mir nach meinem Ausflug auf zahlreiche verschiedene Praxis-Websites aufgefallen sind und die ich und meine 22 Millionen Brüder und Schwestern im Jahr 2018 durchaus darauf erwarten dürfen.

Zeitgemäßer Webauftritt

Der erste Eindruck ist immer entscheidend. Nach nur einer Zehntelsekunde entscheidet unser Gehirn, ob wir jemanden oder etwas sympathisch und ansprechend finden oder nicht. Das ist bei Websites nicht anders. Ist eine Website visuell ansprechend und sowohl auf dem Computer als auch auf dem Smartphone optimal zu bedienen, sind das schonmal gute Voraussetzungen. Insbesondere Letzteres ist dabei entscheidend: Schon seit 2015 verzeichnet Google mehr Suchanfragen von mobilen Endgeräten als von stationären Computern – Tendenz steigend. Das Minimum einer guten Praxis-Website sollte demnach schonmal sein, dass diese für die mobile Ansicht auf Smartphones & Co. optimiert ist und damit über ein sogenanntes responsives Design verfügt. Spätestens durch die Einführung des Mobile Index von Google ist ein mobiler Webauftritt Pflicht. Das passiert aber leider noch viel zu selten und ist ein wahrer Killer, wenn es darum geht, neue Patienten zu erreichen, die einem einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg garantieren.

Sitzende Person, die ein Smartphone in ihrer Hand bedient
Jede Website muss sich dem jeweiligen Endgerät anpassen. Und das ist in der heutigen Zeit kein Hexenwerk mehr.

Mit einem mobiloptimierten Look ist es aber nicht getan. Eine Website möchte auch regelmäßig modernisiert werden und in einem zeitgemäßen Erscheinungsbild auftreten. Schließlich möchte ich mein Mobiliar daheim auch nicht die nächsten 30 Jahre behalten. Das soll nicht heißen, dass sich eine Website alle 2 Jahre einem kompletten Lifting unterziehen muss, aber visuell ansprechend darf sie schon sein. Dazu zählen ein klares Design, ansprechendes und aktuelles Bildmaterial, informative Texte und ggf. Erklär- oder Imagevideos. Es sind schließlich oft die schönen Dinge, auf die wir Menschen aufmerksam werden und die letztendlich in Erinnerung bleiben.

Übersichtlichkeit

In dem schnelllebigen Zeitalter, in dem wir dank dem World Wide Web leben, möchte ich meine gewünschten Informationen so schnell wie nur möglich bekommen. Das gilt auch für die Website. Hier muss ich mich ohne viel Denkarbeit zurechtfinden können, um z. B. Folgendes in Erfahrung zu bringen:

  • Wie lange hat die Praxis offen?
  • Welche Ärzte praktizieren dort?
  • Was sagen andere Patienten über die Praxis?
  • Über welche Qualifikationen verfügt mein gewünschter Arzt?
  • Welche Kassenleistungen bietet mir die Praxis?
  • Und welche Zusatzleistungen kann ich in Anspruch nehmen?

Je nach individuellem Bedürfnis muss ich ohne große Umwege an die gewünschten Infos gelangen können – nur dann können mich der Webauftritt und die Qualität der Praxis auch überzeugen.

Einfache Kontaktaufnahme

Für jeden Unternehmer gehört die Kontaktaufnahme mit seinen Kunden zu den wichtigsten Zielen. Ärzte sollten demnach ein hohes Interesse an der Gewinnung von Neupatienten und der Bindung von bereits bestehenden Patienten haben. Je einfacher ich dabei mit der Arztpraxis in Kontakt treten kann, desto besser. Ein Klick auf die Telefonnummer sollte auf dem Smartphone ohne Weiteres den Wählvorgang aktivieren. Eine schriftliche Anfrage sollte über ein Kontaktformular ermöglicht werden, in dem ich schnell und bequem mein Anliegen verfassen kann. Bereits vorgefertigte Texte wie “Bitte senden Sie mir Zusatzinformationen zur Krebsvorsorge zu” oder “Beratungsgespräch zum Augenlasern” ersparen mir als potentiellen Patient eine Menge Tipparbeit und ich kann mich wartend auf eine Antwort entspannt zurücklehnen. Dass die Praxismitarbeiterin oder der Praxismitarbeiter sich letztendlich dann schriftlich oder telefonisch bei mir meldet, versteht sich von selbst.

Sitzende Person am Schreibtisch, die telefoniert
Ein Tipp auf die Telefonnummer und schon ist die Verbindung von Patient und Praxis hergestellt.

Online-Terminvereinbarung

Wir alle waren schon einmal in der Situation: Laut der Website hat die Arztpraxis offen und ein Klick auf die Telefonnummer oder die Eingabe am Tastentelefon baut mühelos eine Gesprächsverbindung auf. Nach dem 10. Freiton legt man genervt auf. In Zeiten von online verfügbaren Ticket-Buchungssystemen für das Kino um die Ecke und die Online-Tischreservierung für mein Lieblingsrestaurant frage ich mich immer wieder, warum ich diesen Service nicht auch auf der Praxis-Website meines gewünschten Arztes finde. Und hier meine ich tatsächlich kein simples Kontaktformular wie eben beschrieben, in das ich mühevoll mein Anliegen und meinen gewünschten Termin eintragen und absenden muss. Am Ende heißt es ja dann doch, dass mein Wunschtermin nicht möglich sei und ich mich telefonisch oder mit einer erneuten Anfrage melden soll. Ich spreche vielmehr von der Möglichkeit, auf der Website einsehen zu können, an welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit ich meinem Arzt einen Besuch abstatten kann, um dann den für mich passenden Termin auszuwählen. Dieser wird mir dann per Mail oder auch SMS am Besten nochmal bestätigt. Tools, die das ermöglichen gibt es reichlich. Komfortabler und einfacher kann man im digitalen Zeitalter die Terminvergabe nicht machen.

Screenshot einer Demoversion des Termin-Tools terminland.de
Online-Terminsysteme wie das von terminland.de ermöglichen dem Patienten die bequeme Terminauswahl direkt auf der Website.

Online-Sprechstunde

Zugegeben, dieser Punkt ist stark durch meine digitale Affinität beeinflusst. Aber wäre es nicht schlichtweg genial, wenn ich für ein einfaches Beratungsgespräch von daheim oder vom Büro aus mit meinem Arzt via Webcam in Kontakt treten kann? Keine Frage, bei körperlichen Beschwerden und für ausführliche Untersuchungen geht meiner Meinung nach nichts über den Besuch vor Ort. Auch schon aus Datenschutzgründen. Obwohl die Untersuchung per Video mittlerweile ja erlaubt ist. Aber gerade bei Zusatz- bzw Privatleistungen (z. B. Augenlaserverfahren, schönheitschirurgische Eingriffe oder Zahnzusatzleistungen) steht am Anfang in der Regel ein ausführliches Beratungsgespräch an. Ein Video-Telefonat ist dabei die ideale Lösung und spart sowohl dem Arzt als auch dem Interessenten wertvolle Zeit.

Fazit

Eben erwähnte Themen treffen wahrlich nicht auf jeden zu. Manche Praxis-Websites sind mit einem Kontaktformular und der präsenten Darstellung der Telefonnummer schon vorbildlich unterwegs. Aber dennoch besteht bei vielen noch erheblicher Aufholbedarf, wenn es um einen attraktiven und nutzerfreundlichen Web-Auftritt geht. Und wenn wir in den letzten Jahres eines gelernt haben, dann, dass die rasante Entwicklung des Internets schon viele Unternehmen in die Knie gezwungen hat, da sie nicht rechtzeitig die Veränderungen in der digitalen Welt wahrgenommen haben. Mein Rat an alle Arztpraxen, die sich nur im Entferntesten beim Lesen dieses Textes angesprochen fühlten: Die Zeit zum Handeln ist jetzt – und nicht erst 25 Jahre später.

Christian Berg von der ideenhunger media GmbH
Über den Autor
Christian Berg

Teamleiter Digital und Online-Guru bei ideenhunger. Hat seinen Master in Medienmanagement an der Hochschule der Medien in Stuttgart absolviert und liebt und lebt das ganze Social Web. Egal ob Content- oder Social-Marketing, Usability oder Webkonzeption: Herr Berg weiß Bescheid.

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